Abschreibung

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Einführung

In einem Unternehmen gibt es viele Vermögensgegenstände, die im Laufe der Zeit durch Abnutzung an Wert verlieren. Damit dieser Werteverzehr in der Bilanz richtig ausgewiesen werden kann und der Aufwand der Anschaffungskosten gleichmäßig auf die Nutzungsdauer verteilt wird, bedient man sich der Abschreibung.

Bilanz siehe auch Strukturbilanz

Allgemein

Abgeschrieben werden alle Vermögensgegenstände in einem Unternehmen, die an Wert verlieren. Dies geschieht, damit der Werteverzehr in der Bilanz erfasst werden kann und eine „periodengerechte Aufwandsverteilung der ursprünglichen Anschaffungskosten und Herstellungskosten“ (Breithecker/Schmiel 2003: S.190) möglich wird (vgl. auch §253 Abs. 3 Satz 1&2 HGB). Die Abschreibungspflicht beginnt mit Zugang des Vermögensgegenstandes. Als Bemessungsgrundlage für den jährlichen Abschreibungsbetrag dienen die Anschaffungskosten. Die voraussichtliche Nutzungsdauer kann der Afa-Tabelle (Afa=Absetzung für Abnutzung) entnommen werden. Diese wird vom Bundesministerium für Finanzen zur Verfügung gestellt und beruht auf Erfahrungswerten (vgl. Breithecker/Schmiel 2003: S.190f.). In der Gewinn- und Verlustrechnung werden die Abschreibungen als Aufwendungen erfasst.

Gründe für Abschreibungen

Es wird zwischen verbrauchsbedingten Abschreibungen, wirtschaftlich bedingten Abschreibungen und zeitlich bedingten Abschreibungen unterschieden.

1. Gründe für verbrauchsbedingte Abschreibungen

  • Abnutzung durch Gebrauch
  • Verschleiß
  • Verringerung der Substanz
  • Wertverminderungen durch Katastrophen

2. Gründe für wirtschaftlich bedingte Abschreibungen

  • Minderung des Wertes durch neuere Techniken
  • Verschiebung der Nachfrage
  • Fehleinschätzungen und daraus resultierende Fehlinvestitionen
  • Preise für Wiederbeschaffung sinken
  • Absatzpreise fallen

3. Gründe für zeitlich bedingte Abschreibungen

  • Verträge laufen ab
  • Patente oder Lizenzen laufen ab

(Vgl. Thommen/Achleitner 2012: S.442; Krafft/Mittelstädt/Wiepcke 2005: S.10)

Abschreibungsmethoden

Bei der Abschreibung wird auf verschiedene Methoden zurück gegriffen. Man unterscheidet zwischen der linearen Abschreibung, der arithmetisch-degressiven Abschreibung, der geometrisch-degressiven Abschreibung und der progressiven Abschreibung. Je nachdem für welche Methode man sich entscheidet, entwickeln sich die abzuschreibenden Beträge sehr unterschiedlich. Lediglich bei der linearen Abschreibung bleiben die Beträge gleich.

Abschreibung.jpg


(eigene Darstellung in Anlehnung an Wöhe/Döring 2013: S.710)

1. lineare Abschreibung
Bei der linearen Abschreibung werden die Anschaffungskosten gleichmäßig auf die voraussichtliche Nutzungsdauer aufgeteilt. Der jährliche Abschreibungsbetrag ergibt sich als Quotient aus Anschaffungskosten und Nutzungsdauer. Am Ende sind die Anschaffungskosten komplett abgeschrieben.

Jährlicher Abschreibungsbetrag=Anschaffungskosten/Nutzungsdauer

2. arithmetisch-degressive Abschreibung
Genauso wie bei der linearen Abschreibung bleibt am Ende kein Restwert übrig. Allerdings verringert sich der Abschreibungsbetrag jedes Jahr. Der Degressionsbetrag ergibt sich als Quotient aus Anschaffungskosten und der Summe der Nutzungsjahre.

Degressionsbetrag=Anschaffungskosten/Summe der Nutzungsjahre

Der Degressionsbetrag entspricht dem Abschreibungsbetrag im letzten Jahr der Abschreibung. Im vorherigen Jahr ist der Abschreibungsbetrag doppelt so hoch, davor dreifach so hoch usw. (siehe Beispiel unten).

3. geometrisch-degressive Abschreibung
Bei der geometrisch-degressiven Abschreibung wird jährlich ein fester Prozentsatz des Restbuchwertes abgeschrieben. Am Ende bleibt jedoch ein Restbetrag übrig. Deshalb muss auf die lineare Abschreibung gewechselt werden. Ziel dieser Abschreibungsmethode ist es, dass der Abschreibungsbetrag möglichst dem tatsächlichen Werteverzehr entspricht. Der jährliche Abschreibungsbetrag ergibt sich als Produkt aus Restbuchwert und Prozentsatz.

Abschreibungsbetrag=Restbuchwert*Prozentsatz

4. progressive Abschreibung
Im Gegensatz zu der arithmetisch-degressiven Abschreibungsmethode steigen die Abschreibungsbeträge im Laufe der Zeit. Der Progressionsbetrag ergibt sich als Quotient aus Anschaffungskosten und der Summe der Nutzungsjahre.

Progressionsbetrag=Anschaffungskosten/Summe der Nutzungsjahre

Der Progressionsbetrag entspricht dem Abschreibungsbetrag im 1.Jahr der Abschreibung. Im zweiten Jahr und den folgenden Jahren wird der Abschreibungsbetrag jeweils um den Progressionsbetrag erhöht (siehe Beispiel unten).

(Vgl. Oehlrich 2013, S.347; Wöhe/Döring 2013: S.710-712)

Beispiel Abschreibung

Anschaffungskosten=800€ (entsprechen dem Restbuchwert (=RBW) im Jahr 1)
Nutzungsdauer=4 Jahre
Prozentsatz bei geometrisch-degressiv=20%
A=jährlicher Abschreibungsbetrag


Tabelle1.jpg

(eigene Darstellung in Anlehnung an Wöhe/Döring 2013: S.711)

Literatur

Breithecker,V.; Schmiel, U. (2003): Steuerbilanz und Vermögensaufstellung in der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre, Erich Schmidt Verlag, Bielefeld.
Krafft,D.; Mittelstädt, E.; Wiepcke, C.; Goethe-Institut (2005): Markt Lexikon Wirtschaft, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld.
Oehlrich,M. (2013): Betriebswirtschaftslehre Eine Einführung am Businessplan-Prozess, 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München.
Olfert,K.; Rahn,H.-J.; (2005): Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 8., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Friedrich Kiehl Verlag, Ludwigshafen (Rhein).
Thommen, J.-P.; Achleitner, A.-K. (2012): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Umfassende Einführung aus managementorientierter Sicht; 7., vollständig überarbeitete Auflage; Springer Gabler, Wiesbaden.
Wöhe, G.; Döring, U. (2013): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München.