Aufbauorganisation

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Einführung

Bei jeder Gründung eines Unternehmens ist es wichtig, eine passende Organisationsstruktur zu finden (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 36). Diese Struktur lässt sich in einem hierarchisch angeordneten Gerüst darstellen. Das Unternehmen wird dabei in aufgabenteilige Einheiten (z.B. Stellen, Gruppen und Abteilungen) unterteilt und mittels Informations- und Kommunikationswegen einander zugeordnet (vgl. Groh, G., Schröer, V. (2014): 49).

Definition

Die Aufgabenorganisation wird zunächst in zwei Bereiche unterteilt, die Aufgabenanalyse und die Aufgabensynthese (Kosiol, E. (1962)).

Aufgabenanalyse

Bei der Aufgabeanalyse werden alle Aufgaben, die von dem Unternehmen zu erfüllen sind in Teilaufgaben zerlegt, welche sich nicht weiter zerlegen und nur noch einem Mitarbeiter zuordnen lassen (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 36).

Aufgabensynthese

Bei der Aufgabensynthese werden die Teilaufgaben, die bei der Aufgabenanalyse entstanden sind, sinnvoll zusammengeführt. Daraus entstehen Stellen, Gruppen und Abteilungen, die vom Unternehmen einzurichten sind. Außerdem wird der Informationsablauf zwischen Stellen, Gruppen und Abteilungen sowie die Leitungs- und Kontrollfunktion innerhalb der Struktur geregelt. Ergebnis der Aufgabensynthese ist die Aufbauorganisation, die sich in einem Organigramm darstellen lässt (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 36).

Verschiedene Organisationssysteme

Einliniensystem

Im Einliniensystem gibt es auf jeder Hierarchieebene für jede untergeordnete Stelle lediglich nur einen Vorgesetzten. Jede Abteilung bekommt ein Spektrum von Aufgaben zugeordnet. Der Abteilungsleiter übernimmt die Planung, Koordination und Überwachung aller Tätigkeiten. Er delegiert außerdem Aufgaben an Gruppen bzw. Stellen seiner Abteilung (vgl. Flader, B., et al. (2011):420f.).


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(eigene Abbildung in Anlehnung an Flader, B., et al. (2011): Industriefachklasse Band 1, 420f.)


Mehrliniensystem

Das Mehrliniensystem verteilt die Entscheidungsbefugnis auf mehrere Stellen der Leitungsebene. Die ausführende Stelle kann in diesem Modell daher Weisungen von mehreren Vorgesetzten erhalten (vgl. Flader, B., et al. (2011): Industriefachklasse Band 1, 421f.).


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(eigene Abbildung in Anlehnung an Flader, B., et al. (2011): Industriefachklasse Band 1, 421f.)


Funktionalorganisation (Verrichtungsprinzip)

In der Funktionalorganisation werden unter der Unternehmensleitung betriebliche Funktionen gebildet, sprich Abteilungen die verrichtend bzw. ausführend tätig sind. Hier entstehen Zuständigkeitsbereiche wie zum Beispiel Beschaffung, Produktion und Absatz. Das so genannte Verrichtungsprinzip (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 37).


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(eigene Abbildung in Anlehnung an Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): Markt-Lexikon Wirtschaft, 37)


Spartenorganisation (Objektprinzip)

Die Spartenorganisation ist ein Liniensystem, in der das Unternehmen seine Struktur nach den einzelnen Produktgruppen/ Objekten ausrichtet. Jeder Sparte werden die entsprechenden Abteilungen zugeordnet, die beispielweise für die Beschaffung, die Produktion und den Absatz der Produktgruppe erforderlich sind. Wir sprechen hier auch von dem so genannten Objektprinzip (vgl. Groh, G., Schröer, V. (2014): 49).


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(eigene Abbildung in Anlehnung an Groh, G., Schröer, V. (2014): Sicher zur Industriekauffrau/ zum Industriekaufmann, 49)


Matrixorganisation

Die Matrixorganisation ist eine Mischorganisation aus Funktional- und Spartenorganisation, in der mehrere Schnittstellen entstehen. Auf der horizontalen Ebene ist die Organisation nach dem Verrichtungsprinzip, also den einzelnen ausführenden Abteilungen unterteilt. Auf der vertikalen Ebene ist das Unternehmen nach dem Objektprinzip ausgerichtet, sprich nach den einzelnen Produktgruppen (vgl. Groh, G., Schröer, V. (2014): 53). In der Matrixorganisation haben sowohl die funktionsorientieren Abteilungen als auch die objektorientieren Sparten Abteilungsleiter. Daher ist bei Entscheidungen immer eine Absprache erforderlich. Dadurch wird versucht, den Nachteilen der Funktionalorganisation bzw. die Nachteile der Spartenorganisation vorzubeugen (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 38).


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(eigene Abbildung in Anlehnung an Flader, B., et al. (2011): Industriefachklasse Band 1, 420f.)

Kritik

Die Aufbauorganisation ist elementar wichtig für eine Unternehmung, damit einem organisatorischem Wirrwarr, welches zu erheblichen Verlusten führen kann, vorgebeugt werden kann (vgl. Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C. (2005): 36). Allerdings werden die oben beschriebenen Organisationsarten nicht immer eins zu eins in Unternehmen umgesetzt, da fast alle Nachteile mit sich bringen und die Unternehmen versuchen aus allen Organisationsarten nur die Vorteile für sich geltend zu machen. In den meisten Unternehmen werden daher Mischorganisationen, wie die Matrixorganisation genutzt. Außerdem ist die Größe und die Produktbreite eines Unternehmens für die Wahl der Aufbauorganisation entscheidend. Die Aufbauorganisation ist zusammenfassend gesehen grundlegend für Unternehmerischen Erfolg.

Literatur

Flader, B., Jung, K., Köper, R., Lehmkuhl, M., Rückwart, W.-D., Schuh, M., Zindel, M. (2011): Industriefachklasse Band 1, 2. Auflage, Bildungshaus Schulbuchverlage
Groh, G., Schröer, V. (2014): Sicher zur Industriekauffrau/ zum Industriekaufmann, 51. Auflage, Merkur Verlag, Rinteln
Kosiol, E. (1976): Organisation der Unternehmung, Gabler Verlag, Wiesbaden
Kraft, D., Mittelstädt, E., Wiepcke, C.; Goehte-Institut (2005): Markt-Lexikon Wirtschaft, 1. Auflage, Bertelsmann, Bielefeld