Deckungsbeitragsanalyse

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Einführung

In der Wirtschaft stehen Unternehmen ständig vor Entscheidungen und müssen ihre knappen Ressourcen so einsetzen, dass ein möglichst maximaler Gewinn erzielt wird. So ergeben sich auch Fragen bei der Erstellung der optimalen Produktprogrammplanung: Sollen bei einer Unterauslastung der Produktionskapazitäten zusätzliche Aufträge von Kunden angenommen werden? Welche Produkte sollen zuerst hergestellt werden, wenn ein Engpass aus Zeitgründen vorliegt? Wann lohnt sich der Fremdbezug, d.h der Kauf von Produkten oder Fertigteilen von anderen Betrieben bzw. wann ist es sinnvoll die Produkte selbst herzustellen?
Zudem ist wichtig die eigenen Produkte und Dienstleistungen zu kontrollieren, ob sie durch den Verkauf in der Lage sind die Produktionskosten zu decken und Gewinne zu erzielen.
Um diese und noch weitere Fragen beantworten zu können und Entscheidungen zu treffen, wird in Unternehmen häufig die Deckungsbeitragsanalyse herangezogen.

Definition

Die Deckungsbeitragsanalyse ist ein Instrument der Kosten- und Leistungsrechnung, welches für kurzfristige Erfolgsrechnungen auf Teilkostenbasis verwendet wird. Entscheidungsprobleme wie kurzfristige Produktions- und Absatzentscheidungen lassen sich somit monetär quantifizieren, um zu einer Optimierung und Ergebnisfindung zu gelangen. (vgl. Wöhe, G. (2010): 984)

Aufteilung der Gesamtkosten

Die Deckungsbeitragsrechnung geht zunächst von der Aufteilung der gesamten Kosten in fixe und variable Bestandteile aus, also auf Teilkostenbasis: Fixe Kosten entstehen auch dann, wenn keine Mengen produziert werden, wie beispielsweise die Miete für die Produktionshalle. Variable Kosten sind solche Kosten, die bei der Herstellung des Produktes anfallen und steigen. Sie werden dem Produkt direkt zugerechnet. (vgl. Mumm, M. (2014): 246)
Die direkten Kosten bilden somit die absolute Preisuntergrenze und müssen folglich über den Verkaufspreis hereingeholt werden, damit die Kostengüter für die weitere Produktion wieder beschafft werden können. (vgl. Mumm, M. (2014): 277 f.)

Deckungsbeitragsrechnung

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung:

Im Rahmen der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung, auch Direct Costing genannt (vgl. Wöhe (2010): 984), kann der absolute Deckungsbeitrag je Einheit bzw. Stückdeckungsbeitrag (kurz: db) errechnet werden, als Differenz zwischen dem Verkaufspreis je Einheit (p) und den variablen Kosten je Einheit (kv). (vgl. Wöhe, G. (2010): 988)

Beispiel absoluter Deckungsbeitrag für ein Produkt:

BeispielAbsoluterDB.png


Daraus ist ersichtlich, dass jeder Betrag, der über den variablen Kosten liegt, einen Beitrag zur Deckung der durch den Gesamtbetrieb verursachten fixen Kosten erbringt. (vgl. Mumm, M. (2014): 246)

Der sogenannte relative Deckungsbeitrag (rdb) berücksichtigt, zusätzlich zu dem Verkaufspreis pro Einheit und den variablen Kosten pro Einheit, beispielsweise die Bearbeitungszeit in Stunden pro Stück, da jedes Produkt bei der Verarbeitung unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Dividiert man also den absoluten Deckungsbeitrag je Einheit durch die Bearbeitungszeit, so erhält man den relativen Deckungsbeitrag in Geldeinheit pro Zeiteinheit. Mit ihm lässt sich nun eine Reihenfolge festlegen, nach dieser produziert wird. (vgl. Mumm, M. (2014): 269 ff.)

Beispiel relativer Deckungsbeitrag für Produktgruppen:

BeispielRelativerDB.PNG

Der Gesamtdeckungsbeitrag (DB) errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Gesamterlös (E) und den variablen Gesamtkosten (Kv) einer Abrechnungsperiode bzw. der Multiplikation des Stückdeckungsbeitrages mit der Absatzmenge (x):
DB = E – Kv bzw. DB = (p - kv) * x
Der Gewinn (= Erlös – Kosten) bzw. Nettoerfolg einer Abrechnungsperiode wird bestimmt, indem vom Gesamtdeckungsbeitrag die Fixkosten abgezogen werden. Positive Deckungsbeiträge verbessern also das Betriebsergebnis. (vgl. Mumm, M. (2014): 246)

Beispiel Gesamtdeckungsbeitrag und Gewinn:

BeispielGesamtDBuGewinn.png

Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Mit Hilfe einer mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung kann der Deckungsbeitrag genauer analysiert werden. Dazu werden die Produkte des Unternehmens in mehrere Bereiche, beispielsweise Produktlinien, und Gruppen unterteilt. Von den Erlösen der einzelnen Produkte, die durch den Verkauf erwirtschaftet werden, werden zunächst die variablen Kosten abgezogen, wodurch man den ersten Deckungsbeitrag erhält. Anschließend werden stufenweise die Produktfixkosten, Gruppenfixkosten, Bereichsfixkosten und schließlich die Unternehmensfixkosten vom Restbetrag abgezogen, wodurch sich mehrere Deckungsbeiträge ergeben. Am Ende liegt nur noch der Betriebs- bzw. Produkterfolg vor. Allerdings kann ein Unternehmen nach diesem Schema die Produkte in weitere Stufen unterteilen und folglich mehr Deckungsbeiträge für eine genauere Analyse bestimmen. (vgl. Agthe, K. (1959): 404-418)

Beispiel mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung:

BeispielMehrstufigeDB.PNG

Entscheidung bei Unterauslastung und Vollbeschäftigung

Wie bereits erwähnt, können bei Unterauslastung kurzfristig zusätzliche Aufträge durch ein Unternehmen angenommen werden. Wenn der erzielte Verkaufspreis die variablen Kosten des Auftrages bzw. des Produktes übersteigt, wird ein positiver Deckungsbeitrag erzielt. In diesem Fall führt die Annahme und Durchführung des Auftrages zu einer zusätzlichen Deckung der fixen Kosten. Es sollten also unter monetären Aspekten immer die Aufträge mit dem höchsten positiven Deckungsbeitrag angenommen werden.
Im gegenteiligen Fall, das heißt bei Vollbeschäftigung und Engpässen in Beschaffung, Produktion und Absatz, kann eine Entscheidung getroffen werden, indem bei der Produktprogrammplanung der relative Deckungsbeitrag einbezogen wird. Er gibt die Rangfolge an, nach der produziert wird, um ein bestmögliches Betriebsergebnis zu erzielen. Das bedeutet auch, dass manche Aufträge gar nicht oder nur teilweise bearbeitet werden können. ( vgl. Mumm, M. (2014): 266 ff.)

Entscheidung - Eigenfertigung oder Fremdbezug

Im Falle der Entscheidung, ob ein Produkt oder Fertigteil im Rahmen der Eigenfertigung produziert oder besser fremdbezogen werden soll, muss zunächst die eigene Kapazitätsauslastung überprüft werden. Der Bezug von Produkten oder Fertigteilen ist bei freien Kapazitäten und bei kurzfristigen Entscheidungen nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn der Bezugspreis (Kaufpreis) unter den beschäftigungsabhängigen variablen Stückkosten liegt. Bei langfristigen Entscheidungen hingegen sind in die Vergleichsrechnung auch die Fixkosten bei Eigenfertigung zu beziehen.
Stehen nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung, um alle Teile zu produzieren, deren variable Kosten unter dem Bezugspreis liegen, muss eine Auswahl für den Fremdbezug getroffen werden. Es werden also die Produkte vorgezogen, die, bezogen auf den Engpass, den höchsten Kostenvorteil erbringen. Man dividiert also die Differenz zwischen Bezugspreis und variablen Kosten durch die Fertigungszeit je Stück in Stunden und erhält somit die Kostenersparnis je Engpassstunde in Geldeinheiten, um eine Rangfolge bestimmen zu können. (vgl. Mumm, M. (2014): 279 ff.)

Kritik

Schließlich kann die Unternehmensleitung auf der Grundlage des Ergebnisses der Deckungsbeitragsrechnung kurzfristige Absatz- und Produktionsentscheidungen treffen; beispielsweise die Kalkulation des Angebotspreises, die Herausnahme von Produkten mit einem negativem Deckungsbeitrag aus dem Produktions- und Absatzprogramm (Produktelimination) oder die Förderung gewinnbringender Produkte mit geeigneten Maßnahmen.
Anzumerken ist jedoch, dass nicht alle Entscheidungen nur auf Basis einer Deckungsbeitragsanalyse getroffen werden sollten, da diese nicht alle für eine Entscheidung relevanten Daten erfassen kann. Daher müssen auch weitere Kennzahlen ermittelt und vor allem qualitative Entscheidungsfaktoren berücksichtigt werden.

Literaturverzeichnis

  1. Agthe, K.(1959): „Stufenweise Fixkostendeckung im System des Direct Costing“, in: ZfB
  2. Blank, A. et al. (2009): BWL mit Rechnungswesen für berufliche Gymnasien. Band 1. 4. Auflage. Bildungsverlag EINS. Köln.
  3. Mumm, M. (2014): Kosten- und Leistungsrechnung – Internes Rechnungswesen für Industrie- und Handelsbetriebe. 2. Auflage. Springer Gabler. Berlin.
  4. Wöhe, G. (2010): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 24. Auflage. Vahlen. München.