Eigen- vs. Fremdfinanzierung

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Definition

Bevor ein Unternehmen gegründet wird, müssen bei der Planung die Finanzierungsmöglichkeiten bedacht und geregelt werden. Wo und wie soll das Kapital beschaffen werden? Wenn das Unternehmen sich bei der Kapitalbeschaffung in der betrieblichen Funktion für Außenfinanzierung entscheidet wird das Kapital nicht direkt vom Unternehmen bereitgestellt, sondern von Dritten z.B. durch Kreditfinanzierung. Bei der Eigenfinanzierung übernimmt der Eigentürmer die Finanzierung des Unternehmens.

Formen

Eigenfinanzierung (z.B. Einlagen und Beteiligungsfinanzierung)

Fremdfinanzierung (z.B. Kreditfinanzierung)


Eigenfinanzierung Bei der Eigenfinanzierung, auch Einlagen und Beteiligungsfinanzierung genannt, wird das Kapital von Eigentümer, Miteigentürmer oder Anteilseigner zur Verfügung gestellt. Auch Gesellschafter, die neu hinzugetreten sind können das Kapital des Unternehmens erhöhen. Die Eigenfinanzierung dient zur Erhöhung des Eigenkapitals des Unternehmens. Zwar kommt das Kapital von einem Eigentümer, jedoch gehört es nicht direkt zum Unternehmen, sondern wird von der Einzelperson freiwillig für das Unternehmen zur Verfügung gestellt. Bei der Eigenfinanzierung können auch emissionsfähige Unternehmen, die Zugang zur Börse haben, (Vgl. Wöhe 21. Auflage. (2011): 679 ff) das Kapital durch Aktien finanzieren. In diesem Fall kann das Unternehmen seine Wertpapiere bzw. Aktienanteile in flüssige Mittel umwandeln und so das Kapital des Unternehmens erhöhen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin die Anteile des Unternehmens als Aktien zu verkaufen und dadurch eine Erhöhung des Eigenkapitals herbeizuführen.

Fremdfinanzierung Fremdfinanzierung (z.B. Kreditfinanzierung), ist eine Finanzierung die zur Erhöhung des Fremdkapitals führt. Das Unternehmen kann sich hierbei entscheiden, ob die Finanzierung eine langfristige oder eine kurzfristige Fremdfinanzierung darstellen sollte. Eine langfristige Fremdfinanzierung ist in der Regel ein Darlehen, bei dem die Laufzeit mehr als 20 Jahre dauern kann. Kurzfristige Fremdfinanzierungen haben im Gegensatz zur langfristigen nur eine Laufzeit von bis zu einem Jahr. In der Regel entscheiden sich viele Unternehmen für die Kombination aus langfristiger und kurzfristiger Fremdfinanzierung. Der Unterschied zur Eigenfinanzierung liegt bei dieser Finanzierungsart darin, dass der Kapitalgeber keine Mitspracherecht im Unternehmen hat und auch keinen Anspruch auf die Gewinn- oder Verlustbeteiligung hat. Die Überlassung des Geldes ist nur für eine bestimmte Dauer und ist mit einem festen Zinssatz verbunden. Das Unternehmen ist verpflichtet das Geld zurückzuzahlen.

Eigen- und Fremdfinanzierung: Abbildung

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(Quelle: Eigene Abbildung)

Kritik

Vor- und Nachteile der Eigenfinanzierung Das Kapital, das ein neuer Gesellschafter etc. mitbringt wird automatisch zum Unternehmenseigentum gezählt. Das Unternehmen ist daher nicht verpflichtet das Geld zurückzuzahlen und muss deshalb auch keine Zinsen zahlen. Dem Unternehmen steht hierbei das Geld frei zur Verfügung und kann deshalb beliebig verwendet werden. Durch die Steigerung des Eigenkapitals steigt auch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens.

Je nachdem welche Rechtsform das Unternehmen hat, ist es dazu verpflichtet die Gesellschafter an Gewinn oder Verlust zu beteiligen. Automatisches Mitspracherecht erfolgt durch die Aufnahmen eines neuen Gesellschafters. Ist dieser ein stiller Gesellschafter ist er hierbei nur am Gewinn beteiligt und nicht an Verlusten des Unternehmens. Hierbei hat das Unternehmen den Vorteil, dass ein stiller Gesellschafter kein Mitspracherecht hat. (vgl. Straub Thomas. Einführung in die ABWL. (2011): 264 ff.)

Vor- und Nachteile der Fremdfinanzierung Im Gegensatz zur Eigenfinanzierung hat der Kapitalgeber kein Mitspracherecht im Unternehmen und wird auch nicht an Gewinnen beteiligt. Dem Unternehmen steht in kurzer Zeit eine große Summe an Geld zur Verfügung und dadurch steigt die Liquidität des Unternehmens. Das Unternehmen erzielt einen Vorteil bzw. profitiert vom Leverage- Effekt (vgl. Wöhe 21. Auflage. (2002): 753 ff.), wenn der Zinssatz der aufgenommener Kredit geringer ist als die Gesamtrentabilität.

Durch die Zinssätze entstehen für Unternehmen meistens hohe Kosten. Das Kapital steht den Unternehmen nur einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung und muss zurückgezahlt werden. (vgl. BGB § 488 1.2) Falls das Unternehmen keine Gewinne erzielen sollte, besteht die Gefahr, dass es sich verschuldet und wäre damit zahlungsunfähig (Insolvenzgefahr besteht).

Literatur

Beck, C.H. (2015): Bürgerliches Gesetzbuch. 76., überarbeitet Auflage. dtv. München.

Oehlrich, M. (2013): Betriebswirtschaftslehre: Eine Einführung am Businessplan-Prozess. 3. Auflage. Vahlen. München.

Straub, T. (2011): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Pearson Studium. München.

Wöhe, G. (2002): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 21. Auflage. Verlag Vahlen. München.