Holding

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Einführung

Immer mehr Unternehmen schließen sich rechtlich zusammen, d.h. Firmen übernehmen Firmen. Diese Geschäftspraxis ist bei gegenwärtiger Globalisierung keine Seltenheit mehr (vgl. Vahs, D. (2009) 178). Konzerne werden gebildet, Holdingen entstehen.


Begriffsabgrenzung
Der Begriff Holding wird zumeist als die oberste Ebene in der Konzernhierarchie verstanden. Diese Hierarchie besteht aus der Muttergesellschaft und einer, oder mehrerer, unterstehenden Tochterunternehmen. Die Muttergesellschaft betreibt einen Leistungserstellungsprozess und ist direkt am (globalen) Markt tätig. Die Tochterunternehmen sind im Gegensatz zur ihrer Muttergesellschaft deutlich kleiner und abhängig von dieser (vgl. Vahs, D. (2009) 178f.).

Definition

Eine Holding (auch Dachgesellschaft, Beteiligungsgesellschaft oder Konzernorganisation) bedeutet, im Prinzip der Wirtschaftslehre, eine Beteiligung eines Unternehmens an ein oder mehreren anderen Unternehmen durch Besitzanteile wie Aktien oder Kapitalanlagen und –beteiligungen hinzugefügter Unternehmen (vgl. Vahs, D. (2009) 178ff.). Sie ist allerdings keine eigene Rechtsform, sondern eine in der Praxis etablierte Organisationsform (vgl. Handelsblatt/ Wirtschaftslexikon - Holding, Holdinggesellschaft). Im Vordergrund der Unternehmen steht die intensive und leistungsfähige Etablierung des Gesamtkonzerns auf dem weltweiten Markt (vgl. Vahs, D. (2009) 178). Die einzelnen Unternehmen in dem Zusammenschluss der Holding, wollen weiterhin flexibel und rechtlich eigenständig agieren und auf ihren Spezialgebieten höchste Erfolge erzielen, sodass die gemeinsame Gesellschaft größtmögliche Gewinne auf dem Weltmarkt erzielt. Der Erfolg setzt sich außerdem durch die gemeinsame Zielsetzung der Gesellschaftspartner, wie etwa der Erzielung von Rationalisierungs- und Synergieeffekten; Nutzung von gemeinsamen Know-how, Forschung und Entwicklung, sowie im Einkauf, der Produktion, der Logistik und Vertrieb zusammen(vgl. Vahs, D. (2009) 178f.). Weiterführend können personelle, finanzielle und materielle Ressourcen unternehmensübergreifend genutzt werden. Außerdem werden vor allem produkt-, regional- und kundenbezogenen Aspekten in den gesplitterten Holdingtöchtern angestrebt (vgl. Olfert, K.; Steinbuch,P (2003): 276). Die Holding ist somit eine wirtschaftliche Einheit.

Holdingformen

Es gibt verschiedene Beweggründe und Zielsetzungen eine Holding zu gründen, aus denen sich wiederum verschiedene Formen der Holdingorganisation definieren lassen.


Operative Holding (Stammhauskonzern)

Die Muttergesellschaft ist direkt am globalem Markt tätig und übernimmt die Leitfunktion des gesamten Konzerns (hier: operativ =tätig handelnd). Die Tochterunternehmen gelten als Vertriebsgesellschaften, d.h. sie sind selbstständige Teilbereiche der Muttergesellschaft, welche in ihrer Abhängigkeit stehen. Die Tochterunternehmen ergänzen oder unterstützen den Mutterkonzern hierbei durch ihre Produktspezialisierungen und den daraus folgenden Umsätzen (insg. vgl. Vahs, D. (2009) 180f.). Zumeist sind diese Konzerne aufgrund ihrer gleicher Produktionsstufen (horizontal) und aufeinanderfolgender Produktionsstufen (vertikal) zusammengeschlossen (bpb. lexikon der wirtschaft – konzern).


Managementholding (Strategieholding)

In dieser Form der Holding werden die Konzern-strategischen und -operativen Aufgaben getrennt. Die Muttergesellschaft übernimmt die Leit- und Verwaltungsfunktion (strategisch). Die Tochterunternehmen handeln selbstständig (operativ) nach den vorgegebenen Zielsetzungen des Gesamtkonzerns. So ist die Zielrichtung aller Tochterunternehmen die gleiche und führt einheitlich zum Konzernerfolg. Um die Ausführung der gleichen Strategie in den Tochterunternehmen zu gewährleisten werden oft doppelte Vorstände eingesetzt, d.h. einzelne Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft treten auch in den Vorstand der Tochterunternehmen ein (insg. vgl. Vahs, D. (2009) 181f.).


Finanzholding (Vermögensholding)

Ertrags- und Wertoptimierung des Gesamtkonzerns stehen im Mittelpunkt dieser Holdingform. Die Muttergesellschaft definiert die finanziellen Ziele und damit auch die Optimierung des Erfolgs. Sie verwaltet und verteilt die finanziellen Ressourcen. Führungspersonen werden ebenfalls für de Tochterunternehmen festgesetzt, welche den Einflussbereich der Muttergesellschaft bilden. Im Extremfall wird sie nur als Verwaltungsgesellschaft genutzt. Die Tochterunternehmen behalten somit die Selbstständigkeit der strategischen und operativen Führung (insg. vgl. Vahs, D. (2009) 182).


Organisatorische Holding (Strukturelle Holding)

Die Muttergesellschaft wird vom Kernunternehmen gebildet und bleibt der Konzernführer. Die Tochterunternehmen sind Unternehmenssparten des Kernunternehmens und arbeiten ebenfalls spezifisch für ihr Spezialgebiet. Holdinggesellschaften sind demnach nur Tochterfirmen innerhalb einer Gruppe bzw. der Kernfirma. Tochterunternehmen werden zur besseren Strukturierung und einfacheren Organisierung des Kernunternehmens gebildet (insg. vgl. PanLegis – Verschiedene Arten der Holdingstruktur).

Kritik

Das System der Holdinggesellschaften liegt besonders in ihrem grundlegenden Prinzip: Zwischen der führenden Muttergesellschaft und den davon abhängigen Tochterunternehmen. Es können besonders große Spannungen in der Kompetenzabgrenzung zwischen Mutter und Tochter auftreten (vgl. Olfert, A.; /Steinbuch, P. (2003) 282). Auch emotionale Spannungen und subjektive Wahrnehmungen auf Seiten der Tochterunternehmen über die Kontrollaktivitäten der Muttergesellschaft können zu größter Unzufriedenheit, bis hin zum Widerstand führen (vgl. Vahs, D. (2009) 183). Außerdem ist das allgemeine Maß an Autonomie der Tochterunternehmen schwierig zu definieren, um den höchstmöglichen Konzernerfolg erzielen zu können. Im Gegensatz dazu stehen die finanziellen Einsparungen, Steuervorteile und Produktoptimierungen, welche durch die flexible Struktur der Holdingform vereinfacht und optimiert werden.

Der Artikel Konzern erläutert die Konzernstrukturen genauer und bildet somit die Basis für diesen Artikel. Für eine weitere detailierte Beschreibung von Unternehmensführung und Produktionzusammenhang siehe Unternehmenskonzentration.

Literatur

- Vahs, D. (2009): Organisation – Ein Lehr- und Managementbuch, 7. Auflage, Schäffer- Poschel Verlag, Stuttgart)
- Olfert, K.; Steinbuch, P. (2003): Organisation, 13. Auflage, Friedrich Kiehl Verlag GmbH, Ludwigshafen(Reihn)
- http://www.handelsblatt.com/wirtschaftslexikon/?sw=&sw-startswith=H&i=29&p3693446=1] (07.11.2013, 20.34Uhr)
- http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19879/konzern (09.11.1013, 16:00Uhr)
(Quelle: Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 5. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2013. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013.)
- http://de.panlegis.com/?page_id=646(09.11.2013, 16:52Uhr)