Innenfinanzierung

Aus Open FH | wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Einführung

Am Anfang einer Unternehmung steht die Idee. Dann folgt die Planung, Abwägung der Alternativen, Realisierung und letztendlich die laufende Kontrolle. Doch ohne finanzielle Mittel ist die Realisierung einer Unternehmung kaum möglich. Es bedarf die Überlegung der Finanzierung. Die Innenfinanzierung ermöglicht einem Unternehmen, ohne Einfluss von Außen, an Kapital zu gelangen. Sie stellt damit eine sehr wichtige Alternative zur Außenfinanzierung dar, denn durch Finanzierungsmaßnahmen durch Dritte wird dem Unternehmen ein Stück Unabhängigkeit, sprich Entscheidungsfreiheit, genommen und dies ist für ein Unternehmen nicht erstrebenswert.

Voraussetzung

Es sind bei der Innenfinanzierung zwei Voraussetzungen zu beachten:

1. Der Betrieb erwirtschaftet liquide Mittel durch den betrieblichen Prozess im Unternehmen und/oder durch Vermögensumschichtung.

2. Es steht diesen Mitteln kein zahlungswirksamer Aufwand gegenüber (vgl. Becker, H.P. (2012)S. 241).

Formen

Die Innenfinanzierung teilt sich in zwei Überbegriffe auf. Einmal in die Überschussfinanzierung, die sich in folgende Bereiche aufteilt:

> Selbstfinanzierung

> Abschreibungsfinanzierung

> Rückstellungsfinanzierung


Zum Anderen in die Umschichtungsfinanzierung, die aus den Bereichen

> Factoring und

> Sonstige Kapitalfreisetzung

besteht.

Die Überschussfinanzierung beschreibt das Erwirtschaften liquider Mittel. Wichtig ist dabei, dass Erträge in der jeweiligen Periode auch zu Einzahlungen geführt haben. Von diesem werden die Gewinne und die Aufwendungen abgezogen. Der überschüssige Betrag kann zur Finanzierung genutzt werden.


Eine detaillierte Übersicht zu den Begriffen der Überschuss- und der Umschichtungsfinanzierung ist in den unten stehenden Tabellen zu finden.

Selbstfinanzierung, Abschreibungsfinanzierung und Rückstellungsfinanzierung

Tabelle Innenfinanzierung.png

(Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Becker, H.P., Investition und Finanzierung, (2012): S.234ff)

Die Umschichtungsfinanzierung definiert sich dadurch, dass Kapital nicht durch den betrieblichen Prozess erwirtschaftet wird, sondern durch sogenannte Vermögensumschichtung. Ein Beispiel wäre der Verkauf eines Gebäudes, welches nicht zum Betriebsprozess benötigt wird. Das Kapital, das zuvor in dem Gebäude gebunden war, wird durch den Verkauf freigesetzt und führt zu einer Erhöhung der liquiden Mittel.

Factoring und Sonstige Kapitalfreisetzungen

Tabelle2 Innenfinanzierung.png

(Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Becker, H.P., Investition und Finanzierung, (2012): S.257ff)

Kritik

Vorteile:

Das Unternehmen kann die Finanzierung selbstständig realisieren und ist nicht darauf angewiesen, dass Dritte die Finanzierung übernehmen. Dadurch fallen keine laufenden Kosten, wie zum Beispiel Zinsen für einen Kredit, an und das Unternehmen hat keine Rückzahlungsverpflichtung. Das Unternehmen ist keiner Rechenschaft gegenüber Dritten verpflichtet, die Unabhängigkeit ist somit gewahrt. Die Durchführung ist insgesamt mit geringem Aufwand zu bewältigen.

Nachteile:

Es ist schwierig zu planen, wann und in welcher Höhe Gewinne in der jeweiligen Periode entstehen und somit im Unternehmen in Form einer Selbstfinanzierung verbleiben können. Die Regelungen zur Finanzierung aus Abschreibungen oder Rückstellungen unterliegen dem HGB (Es müssen Gesetze beachtet werden und diese schränken womöglich gewisse Vorhaben ein). Fehlinvestition können aufgrund der mangelnden Rechtfertigung gegenüber Dritte entstehen und dadurch sind Gewinnmanipulation und Rentabilitätsverschleierung möglich.(vgl. Olfert, (2012), S.186).

Literatur

1 Becker, H.P. (2012): Investition und Finanzierung, 5. Auflage, Gabler-Verlag, Wiesbaden.

2 Olfert, K. & Rahn, H. J. (2012): Finanzierung/Kompakt-Training Praktische Betriebswirtschaft, 7. Auflage, Kiehl-Verlag, Ludwigshafen