Peitscheneffekt (Supply-Chain-Management)

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Einführung

Das Supply Chain Management (SCM) ist ein unternehmensübergreifendes Netzwerk, welches aus den einzelnen Betrieben einer Lieferkette besteht. Jedes Element der Kette möchte möglichst effektive und effiziente Entscheidungen bezüglich der eigenen Nachfrage und dem Weiterverkauf von bestimmten Produkten treffen, sprich den Nutzen der Ressourcen maximieren (vgl. Wöhe/ Döring 2008, S. 2). Gleichwohl kann es allerdings auch zu Schwierigkeiten kommen, welche die Rentabilität der Absatzkette schmälern. Hier setzt das SCM an und versucht die Lieferkette so zu koordinieren, dass alle Beteiligten Unternehmen profitieren (vgl. Frankel/ Naslund/ Bolumole 2011, S. 185-208). Ein Phänomen mit dem sich das SCM dabei täglich auseinandersetzen muss ist der sogenannte Peitscheneffekt.

Definition

Der Peitscheneffekt (engl. bullwhip effect) beschreibt ein Problem bei der Koordination einer Supply Chain. Ausgehend vom Kunden im Einzelhandel, dessen Anzahl von Käufen eines Alltagsproduktes über einen langen Zeitraum stabil bleibt und nur minimale Schwankungen aufweist, werden eben diese Schwankungen in den Bestell- und Verkaufsprognosen der Händler, Hersteller und Lieferanten oft missinterpretiert. Das führt zu einer beim Endkunden beginnenden Varianz der Nachfrage, die mit zunehmender Entfernung von ihm drastischer wird. Daher trägt das Phänomen den Namen Peitscheneffekt (vgl. Waage 2012, S. 24).

Peitscheneffekt Modell (3).jpg

(Eigene Abbildung in Anlehnung an Alpen-Adria-Universität(2002), Der Bullwhip-Effekt.)

Ursachen und Auswirkungen

Es gibt verschiedene Ursachen für das Auftreten des Peitscheneffekts. Unternehmen sind nach dem ökonomischen Prinzip immer an der eigenen Gewinnmaximierung interessiert (Vgl. Wöhe/Döring 2008, S.46). Das führt dazu, dass sie versuchen Entscheidungen zu treffen, die lokale Ziele vertreten sollen. Allerdings werden dabei die Partner der Supply Chain vernachlässigt, worunter letztendlich alle leiden. Hindernis einer funktionierenden Zusammenarbeit ist dabei oftmals ein schlechter Informationsfluss der Unternehmen untereinander. Oft bestehen große Zeiträume zwischen den Bestellungen von Produkten begünstigt durch tiefe Preise, welche Lagerkäufe fördern. Dadurch wiederum steigen die Preise, was ein abebben der Nachfrage zur Folge hat. Zudem fehlt grundsätzlich das Vertrauen der Netzwerkpartner untereinander (vgl. Chopra/ Meindl 2012, S.281).

Des Weiteren werden Prognosen über Verkaufszahlen schwerer, je mehr unterschiedliche Artikel und Artikeltypen in einem Sortiment existieren, was den Peitscheneffekt ebenfalls fördert.

Die Auswirkungen all jener Ursachen trifft die Unternehmen, welche weiter vom Endkunden entfernt sind, spürbar. Dies kann mitunter dazu führen, dass es in Zeiten großer Nachfrage zu Lieferengpässen kommen kann, die sich wiederum negativ auf die Händler auswirken. Während bei geringer Nachfrage ganze Fertigungsstrecken heruntergefahren werden müssen, was zudem das Unternehmensklima belasten kann. „Insgesamt ist festzustellen, dass alle Auswirkungen des Bullwhip-Effekts die Kosten erhöhen bzw. die Erlöse der Supply Chain senken.“(Waage 2012, S. 25)

Lösungsansätze

Um den Peitscheneffekt einzudämmen gibt es verschiedene Mittel, die das Ziel einer effizient koordinierten Lieferkette verfolgen.

Zum einen werden Manager eingesetzt, die individuell allen Problemen der Absatzkette manuell entgegenwirken können. Dabei geht es vor allem um Transparenz zwischen den Unternehmen. Ein nicht abbrechender Informationsfluss der Handelssituation auf allen Stationen der Supply Chain, gewährleistet ein unverfälschtes Bild der Entwicklung des Absatzmarktes von dem im Endeffekt alle profitieren. Darüber hinaus ermöglicht das unternehmensübergreifende Management der Wertschöpfungskette genauere Zukunftsplanung und somit bessere Entscheidungen im Hinblick auf Produktion und Vertrieb eines Artikels. Es kommt zu ausgewogenen Lieferzyklen, einem geringeren Bedarf an Lagerplatz, gesicherten Arbeitsplätzen mit konstanten Arbeitszeiten und stärkerem Vertrauen zwischen den Partnerunternehmen (vgl. Chopra/ Meindl 2012, S.281). Problem hierbei ist allerdings, dass menschliche Kräfte allein in vielen Fällen nicht mehr genügen, um die stetig wachsenden Unternehmensnetzwerke, die dadurch immens an Komplexität zulegen, ausreichend zu koordinieren (vgl. Arndt 2010, S. 193).

Hierfür wird IT-Software entwickelt, die im Prinzip ähnlich wie ein manuell handelnder Manager bewirken soll, jegliche Kosten der Supply Chain einzudämmen. Dies wird über eine automatisierte Prozessregulierung erreicht, welche mithilfe von großen Datenmengen wesentlich gezielter und dynamischer abstrahieren kann, wie sich der Markt entwickeln wird und wo im System Einsparungen möglich sind (vgl. Machuca/ Barajas 2004).

Nicht berücksichtigen können diese Programme aber beispielsweise plötzliche Nachfrageschwankungen und Trends beim Endkunden, daher braucht es trotzdem humanitäre Kräfte, die antizipieren können, inwiefern sich ein Produkt auf dem Markt einbettet. Gerade bei nicht alltagstypischen Produkten wie Videospielen ist das der Fall.

Literatur

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (2002): Der Bullwhip-Effekt. URL: http://beergame.uni-klu.ac.at/bullwhip.htm [Stand: 27.Oktober 2013]

Arndt, H. (2010): Supply Chain Management: Optimierung logistischer Prozesse, 5. Auflage, Gabler Verlag/Springer Fachmedien,Wiesbaden.

Chopra, S. & Meindl, P. (2013): Supply Chain Management: Strategy, Planning, and Operation, 5. Auflage, Pearson Education(= Always Learning), Boston.

Frankel, R. / Naslund, D. & Bolumole, Y. (2011): The ‘White Space’ of Logistics Research: A Look at the Role of Methods Usage, John Wiley and Sons (= Journal of Business Logistics, Vol. 26, Issue 2, S. 185-208)

Machuca, J. A.D & Barajas, R. P (2004): Transportation Research Part E: Logistics and Transportation Review. The impact of electronic data interchange on reducing bullwhip effect and supply chain inventory costs. URL: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1366554503000577 [Stand: 27.Oktober 2013]

Waage, M. (2012): Koordination von Supply Chains durch Mengenbindungsvereinbarungen : Ein Instrument zur Senkung des Bullwhip-Effekts, 1. Auflage, Gabler Verlag/Springer Fachmedien, Wiesbaden.

Wöhe, G. & Döring, U. (2008): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 23.Auflage, Verlag Franz Vahlen, München.