Personalgesellschaft

Aus Open FH | wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Einführung

Um eine Gesellschaft zu gründen, müssen sich die Gesellschafter die Frage stellen, welche Rechtsform ihr Unternehmen annehmen soll. Personalgesellschaften sind typische Rechtsformen mittelständiger Unternehmen und sind somit sehr weit verbreitet.

Definition

Die Personal- oder Personengesellschaft ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei natürlichen und/ oder juristischen Personen, welche ein gemeinsames, meist wirtschaftliches Ziel verfolgen. Die Gesellschaft selbst ist eine natürliche Person, kann aber trotzdem Träger von Rechten und Pflichten sein. Man unterscheidet zwischen den folgenden Rechtsformen: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Offene Handelsgesellschaft (OHG) und Kommanditgesellschaft (KG). (vgl.: Wirtschaftslexikon.co)

Formen

Formen.jpg

(Eigene Abbildung in Anlehnung an Döring, T.; Eichborn, U.; Hagel, H.; Piek, M. (2006): 57)


Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (Abk.: GbR) stellt die Grundform der Personengesellschaft dar.

Sie kann durch einen formlosen Gesellschaftsvertrag gegründet werden. Es müssen sich mindestens zwei Gesellschafter zusammenschließen. Diese Gesellschafter dürfen natürliche als auch juristische Personen sein. Die Gesellschaft hingegen ist eine natürliche Person, daher gelten die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die rechtlichen Grundlagen sind aufgrund dessen in §§ 107ff. BGB zu finden.

Die GbR wird zur gemeinsamen Erreichung eines Zieles gegründet, wobei die Errichtung eines Geschäftsbetriebes nicht erforderlich ist. Jeder Gesellschafter hat das Recht die Geschäftsführung zu übernehmen (§ 709 Abs.1 BGB), außerdem ist es ihre Pflicht gleiche Beiträge zu leisten, welche auch als Dienstleistungen, Einbringungen von Kunden oder Know-how akzeptiert werden (§ 706 Abs.1, 3 BGB). Durch diese Beiträge profitieren sie somit in gleicher Höhe an Gewinnen und Verlusten (§ 722 Abs.1 BGB).

Die Haftung ist unbeschränkt, welches bedeutet, dass die Gesellschafter mit ihrem gesamten (Privat-)Vermögen und dem Gesellschaftsvermögen haften, welches sich aus den Beiträgen und den erworbenen Gegenständen zusammensetzt. Man spricht hier auch von Gesamtschuldnern, d.h. die Gesellschafter schulden gemeinsam einem Gläubiger eine Leistung. Dieser Gläubiger hat das Recht die volle Leistung von nur einem Gesellschafter zu verlangen, welcher sich im Gegenzug den Anspruch ausgleichen lassen kann.

Die Eigenfinanzierung geschieht durch die Einlagen der Gesellschafter. Bei der Fremdfinanzierung werden Bankkredite aufgenommen. Die Kreditwürdigkeit hängt hierbei von der Kreditwürdigkeit der Gesellschafter ab. Die GbR ist nicht verpflichtet einen handelsrechtlichen Jahresabschluss zu erstellen. (vgl.: Wöhe, W.; Döring, U. (2010): 225f)

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die Offene Handelsgesellschaft (Abk.: OHG) ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei oder mehreren Gesellschaftern. Die Gründung der OHG läuft in zwei Stufen ab: Dem Abschluss eines Gesellschaftsvertrages (§ 109 HGB) und der Anmeldung zum Handelsregister (§ 106 Abs.1 HGB). Der Unterschied zur GbR ist hierbei ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb erforderlich (§ 1 Abs.1 HGB). Woran man schon deutlich erkennen kann, dass hierbei nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) gehandelt wird, die gesetzlichen Vorschriften sind in §§ 105-160 HGB zu finden.

Bei den Gesellschaftern und der OHG selbst handelt es sich um natürliche Personen, welche unbeschränkt mit dem gesamten (Privat-)Vermögen haften. Bei keinem Gesellschafter ist die Haftung gegenüber Gläubigern beschränkt, daraus lässt sich ableiten, dass eine enge Bindung zwischen den Gesellschaftern besteht, denn jeder haftet für den anderen (Gesamtschuldner) (§ 128 HGB).

Es ist allen Gesellschaftern gestattet die OHG zu leiten (§ 114 Abs.1 HGB) und zu kontrollieren (§ 118 Abs.1 HGB), es sei denn der Gesellschaftsvertrag erlaubt dies nicht. Einzelne Gesellschafter können von der Führung ausgeschlossen werden (§ 117 HGB), aber niemals von der Kontrolle (§ 118 Abs.1 HGB). Jeder hat das Recht selbstständig zu handeln (Einzelgeschäftsführungsbefugnis), soll dies anders sein, können Änderungen im Gesellschaftsvertrag vorgenommen werden (Gesamtgeschäftsführungsbefugnis) (vgl.: Döring et al. (2006): 57f). Zudem hängt die Gewinn- und Verlustverteilung ebenfalls vom Vertrag ab, grundsätzlich erhalten die Gesellschafter maximal 4% ihres Kapitalanteils und der Verlust wird nach Köpfen aufgeteilt (§ 121 Abs.1 HGB).

Die Eigenfinanzierung erfolgt durch die Kapitaleinlage. Die Erweiterung der Eigenkaptialbasis ist durch die Aufnahme neuer Gesellschafter möglich. Die Fremdfinanzierung geschieht durch die Aufnahme von Bankkrediten, die Kreditwürdigkeit hängt von der Kreditwürdigkeit der Gesellschafter ab.

Eine OHG ist verpflichtet Bücher zu führen und einen handelsrechtlichen Jahresabschluss zu erstellen (§ 154 HGB), es ist allerdings keine Prüfung hierfür vorgesehen. (vgl.: Wöhe, W.; Döring, U. (2010): 226f)

Kommanditgesellschaft (KG)

Die Kommanditgesellschaft (Abk.: KG) ist ebenfalls ein Zusammenschluss von mindestens zwei oder mehreren Gesellschaftern (vgl.: Döring et al. (2006): 57), welche auf den gleichen rechtlichen Schritten der OHG basieren, nämlich dem Abschluss eines Gesellschaftsvertrages und der Anmeldung zum Handelsregister (§162 Abs.1 S.1 HGB). Allerdings bietet dieser Vertrag Gestaltungsmöglichkeiten, das bedeutet, dass gewisse Vorschriften geändert werden können, wenn alle Gesellschafter damit einverstanden sind.

Zweck dieser Gesellschaft ist die Betreibung eines Handelsgewerbes. Der wesentliche Unterschied zur Offenen Handelsgesellschaft ist die Zweiteilung des Gesellschafterkreises und zwar in Komplementäre und Kommanditisten.

Komplementäre können natürliche als auch juristische Personen sein und haften unbeschränkt mit ihrem gesamten (Privat-)Vermögen, sind somit also gesamtschuldnerisch. Außerdem haben sie das Kontrollrecht sowie das Leitungsrecht.

Kommanditisten hingegen sind ausschließlich nur natürliche Personen und haften beschränkt, d.h. nur mit ihrer vertraglich festgelegten Kapitaleinlage (§171 Abs.1 HGB). Sie haben genau wie der Komplementär das Recht zur Kontrolle, aber nicht zur Leitung (§ 164 S.1 HGB). Allerdings ist es auch möglich vertraglich einzelne Komplementäre von der Leitung auszuschließen und im Gegenzug Kommanditisten einzubeziehen.

Die Verteilung des Gewinns und Verlustes richtet sich üblicherweise nach dem Gesellschaftsvertrag, grundsätzlich erhalten die Gesellschafter max. 4% ihres Kapitalanteils, der Rest wird in angemessenem Verhältnis verteilt. Der Verlust wird ebenfalls in angemessenem Verhältnis aufgeteilt (vgl.: Döring et al. (2006): 58).

Die KG ist genauso wie die OHG verpflichtet Bücher zu führen und einen handelsrechtlichen Jahresabschluss zu erstellen, wohingegen die Offenlegung nicht gesetzlich vorgegeben ist. (vgl.: Wöhe, W.; Döring, U. (2010): 227f)

Übersicht

Übersicht.jpg

(Eigene Abbildung in Anlehnung an Wöhe, W.; Döring, U. (2010): 223; Döring et al. (2006): 57ff.)

Literatur

  • Döring, T.; Eichborn, U.; Hagel, H.; Piek, M. (2006): Wirtschafts- und Geschäftsprozesse (4. Auflage). Bildungsverlag EINS GmbH. Troisdorf.
  • Fleischer, H. (2014): Handelsgesetzbuch (57.Auflage). Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG. München.
  • Köhler, H. (2015): Bürgerliches Gesetzbuch (76.Auflage). Deutscher Taschenbuchverlag Gmbh & Co. KG. München.
  • Wöhe, G.; Döring, U. (2010): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (24. Auflage). Vahlen Franz GmbH. München.


Internetquelle: