Private Equity

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Einführung

Der Begriff „Private Equity“ ( private = Privat ; equity = Eigenkapital, Eigenkapitalanteil) beschreibt eine Investition von privatem Eigenkapital an meist nicht börsennotierte Unternehmen. In den häufigsten Fällen wird dies jungen oder bereits etablierten Unternehmen mit starkem Potenzial auf Wirtschaftswachstum zur Verfügung gestellt, um Vorhaben zu finanzieren und das Wachstum zu fördern. Zusätzlich erhält das Unternehmen häufig Managementhilfestellungen vom am Unternehmen interessierten Anleger. (vgl. Schmeidig, C., Simmert, D.B. (2010), S.130)

Weitere Informationen zu Finanzierung finden sich im Artikel zur Außenfinanzierung.

Definition

Charakteristisch für eine „Private Equity“ Investition ist, dass dem Unternehmen das Kapital unter dem Verzicht auf - für Kreditinstitutionen übliche - Sicherheiten bereitgestellt wird. Jedoch stellt der Anleger Forderungen, wie beispielsweise Mitsprache - oder Kontrollrechte. Die Dauer einer Private-Equity-Investition ist üblicherweise beschränkt und so geregelt, dass der Investor den erwartet angestiegenen Vermögenswert, aufgrund der Unternehmenswertsteigerung, zum Ende dieser Laufzeit erhält. Im Regelfall folgt zu dem Zeitpunkt ein Ausstieg aus der Unternehmensbeteiligung. (vgl. Schmeidig, C., Simmert, D.B. (2010), S.130)

Beteiligungsformen

Auf der einen Seite stehen direkte Beteiligungen am Unternehmen. Hier ist zu erkennen, dass die Anlage direkt von einem privaten Anleger stammt und ohne „Dritte“ dem Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Diese Investoren werden üblicherweise Business Angels genannt. Der Begriff umfasst Privatanleger, die durch erworbene unternehmerische Erfahrungen dem Unternehmen Unterstützung bieten wollen und sich eine hohe Rendite von ihrer Investition versprechen. Daher versuchen sie häufig das Risiko der Investition zu minimieren, indem sie das Unternehmen zusätzlich mit Wissen unterstützen. (vgl. Schmeidig, C., Simmert, D.B. (2010), S.130)

Andererseits ergeben sich folgerichtig aus direkten Beteiligungen die indirekten Beteiligungen. Charakteristisch hierfür sind Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Sie verwalten das Eigenkapital der verschiedenen Investoren unter Dachfonds und investieren es in mehrere Unternehmen, welche zu dem Investmentportfolio der Kapitalbeteiligungsgesellschaft zählen. Die Beschaffung der Finanzmittel von Investoren und Investorengruppen wird unter dem Oberbegriff Fundraising zusammgefasst.(vgl. V. Tcherveniachk (2007), S.20)

Häufig, speziell vor der Finanzkrise 2006/2007, kam es allerdings auch zu Firmenübernahmen durch Private-Equity-Fonds auf Basis von Fremdkapital. Dahinter steckt, dass man versucht durch möglichst geringen Eigenkapitaleinsatz die Rendite zu erhöhen. Hier besteht folglich ein Risiko und vor allem eine Drucksituation für das übernommene Unternehmen. Denn es muss gewährleistet sein, dass auch unter schlechten Konjunkturbedingungen die Verbindlichkeiten des Fonds gegenüber dem Fremdkapitalgeber weitergehend getilgt werden können. (vgl. Wirz (2012))

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Beteiligungsstrategien

Da der Begriff „Private Equity“ nur ein Oberbegriff für private Unternehmensbeteiligungen ist, zeichnen sich viele Beteiligungsstrategien ab. Hierzu zählen beispielsweise das „Venture Capital“, welches auch Risikokapital genannt wird. Es beinhaltet vor allem die Beteiligung an jungen Unternehmen zur Ideenunterstützung (Seed) und Start-up Finanzierung. Weitergehend steht sie für die Finanzierung von Expansionen, die ein Wachstum von bereits etablierten Unternehmen möglich machen soll. Häufig genutzt ist die Exitlösung, bei der das eingesetzte Kapital zuzüglich der Rendite nach einem bestimmten Zeitraum ausgezahlt wird und der Anleger seine Beteiligung zurückzieht. Dazu ergeben sich für den Anleger auch Möglichkeiten, wie dem Verkauf an einen anderen Investor (=Trade Sale), sowie der Gang an die Börse (= IPO). 
(vgl. Dr. H. Frommann und Dipl.-Kfm. A. Dahmann (2003), S. 65)

Rendite

Vergleicht man die Rendite von Aktien und die des Private-Equity, so zeichnet sich eine deutlich höhere Rendite bei Private-Equity Anlagen ab. Weitergehend lassen sich die Risiken dieser Anlageweise durch die bereits beschriebenen Fonds der Kapitalbeteiligungsgesellschaften minimieren. (vgl. Schmeidig, C., Simmert, D.B. (2010))

Literaturverzeichnis

Schmeidig, C. & Simmert, D.B. (2010): Zur Bedeutung von Private Equity im mittelständischen Unternehmenssektor, in: Hilse, J., Netzel, W. , Simmert, D.B. (2010) : Praxishandbuch Firmenkundengeschäft Geschäftsfelder, Risikomanagement, Marketing, (Online) Book Chapter Pages 129-148

Dr. Frommann, H. & Dipl.-Kfm. Dahmann, A. (Dez.2003) - „Zur Rolle von Private Equity und Venture Capital in der Wirtschaft“ Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e. V. (BVK) (S.65)

Vassil Tcherveniachk (2007) : Kapitalgesellschaften und Private Equity Fonds - Unternehmenskauf durch Leveraged Buyout (S.20)

Wirz, M.(2012): Firmen werden wieder auf Pump gekauft, The Wall Street Journal Deutschland, 17.12.2012, 20:52 Uhr [1]