Qualitätsmanagement

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Einleitung

Unter Qualitätsmanagement versteht man alle Handlungen und Tätigkeiten, die auf irgendeine Art und Weise dazu beitragen, dass die Qualitätsziele erreicht werden. Qualitätsmanagement umfasst Qualitätsprüfungen, ebenso wie die Planung von qualitätsfähigen Abläufen, Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen. Die internationale Norm DIN EN ISO 8402 (1995) definiert den Begriff Qualitätsmanagement so:

"Alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements, die im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems die Qualitätspolitik, die Ziel und Verantwortungen festlegen sowie diese durch Mittel wie Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement-Darlegung und Qualitätsverbesserung verwirklicht."

Historische Entwicklung

Bis zum Jahr 1870 sprach man vom Fachwerk bzw. der Zunft, Handwerker produzierten und prüften ihre Produkte selbst. Ab 1870 begann die Arbeitsteilung sich zu verbreiten, jeder war für seinen Bereich zuständig und musste diesen auch prüfen. Die Qualitätskontrolle begann ab dem Jahr 1940, die Endkontrolle wurde eingeführt und Betriebe spezialisierten sich weiter. Ab 1960 spricht man von einer Qualitätssicherung, die sowohl die Entwicklungs- als auch Herstellungsprozesse kontrolliert. Die Qualität sollte durch Vorbeugung verbessert werden, 1980 löste das Qualitätsmanagement die Qualitätssicherung ab (siehe Abb. 1). Das Management hat die Verpflichtung auf die Qualität zu achten und klare Strukturen im Unternehmen zu schaffen. Die Ausrichtung des Unternehmens orientiert sich mehr am Kunden, so wird auf die Qualität über den gesamten Produktlebenslauf geachtet (vgl. Greßler/ Göppel 2002: S. 5f.).

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Abb. 1: Zeitleiste (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Greßler/Göppel (2002))

Qualitätsmanagementkreislauf

Der Qualitätsmanagement Kreislauf (siehe Abb. 2) oder auch Qualitätskreislauf genannt, basiert auf den Forderungen und Erwartungen des Kunden. Jeder Unternehmensfunktion (innerer Kreis) wird ein bestimmtes Qualitätsmerkmal (äußerer Kreis) zugeordnet. Qualität wird so durch alle Abteilungen mitbestimmt. Beispiel: Der Vorstand nimmt indirekt Einfluss auf die Qualität des Produktes, indem er Einsparungen in Abteilungen beschließt, so wird unter Umständen in dieser Abteilung schlechter und nicht so qualitativ wie zuvor gearbeitet. So nimmt jede Abteilung Einfluss auf das Produkt (vgl. Pfeifer/ Schmitt 2007: S. 10).

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Abb. 2: Qualitätsmanagementkreislauf (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pfeifer/Schmitt 2007: S. 10)

Qualitätsmanagementsysteme

"Management kann mit Führungstechnik übersetzt werden. Managen bedeutet "zuwege bringen bzw. bewerkstelligen". Qualitätsmanagement kann also frei als "Qualität zuwege bringen, Qualität bewerkstelligen" übersetzt werden." (aus Greßler/Göppel: Qualitätsmanagemet - Eine Einführung, S. 23)

1987 wurde erstmalig durch ein internationales technisches Komitee (ISO, international Organisation for Standardization) eine Norm für Qualitätsmanagementsyteme aufgebaut, diese Norm ist auf alle Betriebe anzuwenden und sie regelt welche Abläufe in einem modernem Betrieb beachtet werden müssen und nachvollziehbar sein sollten. Diese Norm besteht aus der ISO 9000-Familie (siehe Abb. 3), sie umfasst 3 Normen (vgl. Greßler/ Göppel 2002: S. 26).

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Abb. 3: ISO-Normen für Qualitätsmanagement (Quelle: eigene Abbildung in Anlehnung an Greßler/ Göppel 2202: S. 26)


Die ISO 9000 klärt Begriffe und Grundlagen des Qualitätsmanagements, hingegen beinhaltet die ISO 9001 Kundenanforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem und kann so als Vertragtsgrundlage im Verhältnis zwischen Verbraucher und Lieferant dienen. Die ISO 9004 ist als Erweiterung von der ISO 9001 zu sehen und zeigt einem Unternehmen auf, wie es die Effizienz steigern kann, so umfasst die ISO 9004 mehr Anregungen als Anforderungen (vgl. Greßler/ Göppel 2002: S. 26).


Total Quality Management (TQM)

Unter Total Quality Management (siehe Abb. 4) versteht man das umfassendes Qualitätsmanagement, in der DIN ISO 9000 ist es wie folgt definiert: "Umfassende Qualitätsmanagement sollte auf der Beteiligung aller Mitglieder einer Organisation beruhen und auf langfristigen Nutzen für alle interessierten Parteien (Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Eigentümer, Gesellschaft) der Organisation beruhen." (Greßler/ Göppel 2002: S. 34)

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Abb. 4: Total Quality Management (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Greßler/ Göppel: S. 35)

In diesem Zusammenhang sollte das European Foundation for Quality Management genannt werden, welches nah am Total Quality Management anliegt.

European Foundation for Quality Management

1988 wurde die European Foundation for Quality Management von 14 europäischen Unternehmen ins Leben gerufen und hat nicht als Ziel Profit zu machen. Diese Organisation hat sich als Aufgabe gesetzt eine nachhaltige Technologie in Europa zu schaffen und zudem Firmen durch Veranstaltungen zu schulen (vgl. Greßler/ Göppel 2002: S. 34) Das Grundlegende Konzept dabei ist:

  • Ergebnisorientierung
  • Kundenorientierung
  • Mitarbeiterentwicklung und -beteiligung
  • Kontinuierliches Lernen und Verbessern
  • Aufbau von Partnerschaften
  • Verantwortung tragen

Dieses Modell hat dabei folgende Ziele:

  • Bietet ein Bewertungsmodell für Spitzenleistungen
  • Kann branchenunabhängig eingesetzt werden
  • Hat eine offene Struktur
  • Ist unabhängig von der Unternehmensgröße


"Die Befähiger-Kriterien befassen sich damit, "WIE" die Organisation vorgeht. Die Ergebnis-Kriterien beziehen sich darauf, "WAS" die Organisation erreicht hat und noch erreicht." (Greßler/ Göppel 2002: S. 35)

Kritische Bewertung

Qualitätsmanagement ist ein sehr facettenreiches Thema, zu dem viele Modelle entwickelt wurden. Es ist stets zu beachten, dass es vereinfachende Modelle sind und der reale Markt viel komplexer und schnelllebiger ist und daher nicht jedes Modell 1 zu 1 auf das eigene Unternehmen übertragbar ist. Um solche Modelle anzuwenden, bedarf es einer genaueren Analyse des Unternehmens, um festzustellen, wie sich die Qualität der Produkte verbessern kann. Des Weiteren ist Qualitätsmanagement eng mit der Produktion verbunden und ist insbesondere dann zu beachten, wenn Aktivitäten im Bereich Offshoring geplant sind. Die Qualität des Produktes wird von vielen Aspekten bestimmt, die in manchen Fällen schwer zu erkennen sind.

Literatur

  • DIN EN ISO 8402 (1995): Qualitätsmanagement - Begriffe, Beuth Verlag, Berlin, AVL: http://w2.wa.uni-hannover.de/QMan/Kap01/Def_qm.htm (24.10.2013 9:44).
  • Greßler, U. & Göppel, R. (2002): Qualitätsmanagement - Eine Einführung, 4. Auflage, Bildungsverlag EINS, Troisdorf
  • Pfeifer, T. & Schmitt, R. (2007): Masing - Handbuch Qualitätsmanagement, 5. Auflage, Carl Hanser Verlag, München