Strukturbilanz

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Einführung

Für die Analyse, Auswertung und den Vergleich von Bilanzen in der Buchführung ist es notwendig eine Bilanz so umzuformen, das dessen Aufbau und die Gliederung immer gleichbleibend ist, so dass auch beispielsweise Periodenvergleiche getätigt werden können. Hier findet die Strukturbilanz ihre Anwendung.

Definition
Die Strukturbilanz ist der notwendige erste Schritt um eine Bilanzanalyse (auch „Kennzahlenanalyse“ genannt(vgl. Ditges 2007. S.332)) durchzuführen. Für diese kann jedoch nicht die Handelsbilanz herangezogen werden, da sich Handelsbilanzen in ihren einzelnen Posten für gewöhnlich unterscheiden und somit Vergleiche ein recht schwieriges Unterfangen sind.
Sie durch Bildung größerer Gruppen aus Posten der Handelsbilanz strukturiert und durch den immer gleichartigen Aufbau - so wie die gleiche Gliederung - für den Vergleich mit anderen Strukturbilanzen, wie z.B. denen aus anderen Perioden oder von anderen Unternehmen in der Branche hergerichtet(vgl. Speth 2012. S. 192).

Von der Handelsbilanz zur Strukturbilanz

Die beliebig vielen Posten der Handelsbilanz werden in lediglich vier Posten (mit insgesamt sechs Unterposten) überführt. Die für Analysezwecke geeignete Strukturbilanz wird durch eine sogenannte Bilanzaufbereitung gebildet:

Die Gruppierung und Zusammenfassung der Bilanzpositionen geschieht auf der Aktivseite nach Liquiditätsgesichtspunkten (In welcher Zeit kann man welches Vermögen flüssig machen?) und auf der Passivseite nach Herkunft und Fristigkeit des Kapitals (Wo kommt welches Kapital her und wann ist es gegebenenfalls zurückzuzahlen?)(vgl. Ditges 2007. S. 332). Im Detail bedeutet dies folgendes(Beispiele: Vgl. Speth 20012. S. 192):

Aktivseite:
I. Anlagevermögen z. B. Maschinen, Gebäude
II. Umlaufvermögen

1. mittelfristig z. B. Vorräte, unfertige Erzeugnisse, fertige Erzeugnisse
2. kurzfristig z. B. Ford. a. LL., sonst. Vermögensgegenstände, auch Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
3. sofort flüssig z.B. Bankguthaben, Kassenbestand, Schecks

Passivseite:
I. Eigenkapital
II. Fremdkapital

1. langfristig z. B. Pensionsrückstellungen, Verbindlichkeiten mit Restlaufzeit > 5 Jahre
2. mittelfristig z. B. Verbindlichkeiten mit Restlaufzeit zwischen 1 und 5 Jahren
3. kurzfristig z. B. Steuerrückstellungen und sonst. Rückstellungen, Verbindlichkeiten mit Restlaufzeit < 1 Jahr, auch passive Rechnungsabgrenzungsposten


Dies sieht in der Strukturbilanz dann in etwa so aus:
Strukturbilanz.JPG
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Ditges 2007 S.333)

Fallbeispiel

Es folgt ein Praxisbeispiel zur Verdeutlichung.

Handelsbilanz

Die nachfolgende Abbildung zeigt eine einfache Handelsbilanz die im Folgenden Schritt für Schritt in eine Strukturbilanz gekürzt wird.
(Für den ausführlichen Aufbau einer Handelsbilanz empfehle ich §266 des HGB's.)

Handelsbilanz Fallbeispiel.JPG

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bilanzstruktur vgl. Speth 2012. S. 193)

Zu beachten ist, dass die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu 50% aus mittelfristigen Verbindlichkeiten (zwischen 1 und 5 Jahren Laufzeit) und zu 50% aus kurzfristigen Verbindlichkeiten (weniger als 1 Jahr Laufzeit) bestehen.

Eingefärbte Handelsbilanz

Während dieses Schritts wurden die verschiedenen Posten der Handelsbilanz entsprechend eingefärbt. Für gewöhnlich lässt man diesen Schritt aus, doch kann es bei größeren Bilanzen zu einer besseren Übersicht verhelfen.

Handelsbilanz Eingefärbt Fallbeispiel.JPG

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bilanzstruktur vgl. Speth 2012. S. 193)

Strukturbilanz

Die eingefärbte Handelsbilanz wird dann in die Strukturbilanz überführt. Diese ist gleich der Handelsbilanz eingefärbt um die übertragenen Werte verfolgen zu können.

Strukturbilanz Eingefärbt Fallbeispiel.JPG

(Quelle: Eigene Darstellung aus Werten der Handelsbilanz)

Die Gesamtsummen bleiben die Gleichen. Die Werte sind lediglich gruppiert und einheitlich zusammengefasst, was zu einer besseren Übersicht führt. In der Bilanzanalyse erfolgt nach diesem Schritt dann die Kennzahlenbildung und dessen Analyse wie z. B. des Return on Investments, der Rentabilität oder des Cash Flows.

Literatur

Ditges, J., Arendt, U. & Olfert, K. (Hg.) (2007). Bilanzen. 12. Auflage erw. u. überarb. , Ludwigshafen (Rhein): Friedrich Kiehl Verlag

Speth, H. (Hg.), Kaier, A., Waltermann, A., Hartmann, G. B. & Härter, F. (2012). BWL mit Rechnungswesen und Controlling. 5. Auflage, Rinteln: Merkur Verlag

HGB. 54. Auflage, 2013, Deutscher Taschenbuch Verlag

Weiterführende Weblinks

Kluwer, Wolters. Bilanzanalyse - Vorbereitung Kennzahlenanalyse[online]. Verfügbar unter: Bilanzanalyse - Vorbereitung Kennzahlenanalyse [04.11.2013, 14:00]