Wirtschaftlichkeit

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Einführung

Die Ökonomie zwingt den Menschen im Umgang mit knappen Ressourcen und Kosten effizient umzugehen. Um diese Effizienz zu überprüfen, werden Ziele entwickelt und anschließend überprüft, um deren Einhaltung sicherzustellen. In Relation gesetzt, drückt die Wirtschaftlichkeit den Grad der Zielerreichung aus und gibt somit an, ob Wirtschaftlichkeit vorhanden ist oder nicht (vgl. Ney, M., (2006): 12).

Definition

Die Wirtschaftlichkeit wird im Sinne der Kosten – Nutzen – Relation und im Umgang mit knappen Ressourcen verstanden. Sie drückt hierbei das Verhältnis der eingesetzten Mittel und dem erreichten Erfolg aus (vgl. Müller, S., (2010): 49). Die Wirtschaftlichkeit ist ein wichtiges Maß, um die Effizienz messbar zu machen (vgl. Goldbach et al. (2011): 55) .

Berechnung der Wirtschaftlichkeit

Um Wirtschaftlichkeit zu bemessen bedient man sich folgender Formel:

Wirtschaft.png


Buchhalterische Begriffserklärungen:

  • Ertrag: monetärer oder nicht monetärer Wertezuwachs innerhalb eines bestimmten Zeitraums
  • Aufwand: monetäre oder nicht monetäre Leistung, die notwendig ist um ein gegebenes Ziel zu erreichen

Beispiel einer Wirtschaftlichkeitsrechnung

Rechnung.png

Interpretation der Wirtschaftlichkeitsrechnung

  • Ergebnis > 1 : eine Wirtschaftlichkeit ist gegeben; ein Wertezuwachs liegt vor
  • Ergebnis = 1 : die Wirtschaftlichkeit ist kostenneutral gegeben
  • Ergebnis < 1 : eine Wirtschaftlichkeit ist nicht gegeben; ein Werteverlust liegt vor

Nun gilt: da 1,33 > 1 ist, ist eine Wirtschaftlichkeit vorhanden; ein Wertezuwachs liegt vor (vgl. Koubek, N., (2010): 208).

Bezug der Wirtschaftlichkeit zum ökonomischen Prinzip

Die Wirtschaftlichkeit spielt eine große Rolle im ökonomischen Denken. Personen, die ihre Entscheidungen nach den Prinzipien der Wirtschaft treffen, handeln somit nach dem sogenannten „Wirtschaftlichkeitsprinzip“ (oft auch ökonomisches Prinzip oder Rationalprinzip genannt) (vgl. Forker, H., (1960): 34). Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Zielsetzungen:

1. Minimalprinzip: Es wird versucht ein vorgegebenes Ziel mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen.

Demgegenüber steht:

2. Maximalprinzip: mit einem vorgegebenen Einsatz wird versucht den größtmöglichen Erfolg zu erreichen.


Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist demnach die wirtschaftliche Auslegung des ökonomischen Prinzips. Anzumerken hierbei ist, dass das Wirtschaftlichkeitsprinzip grundsätzlich in allen Wirtschaftssystem anwendbar ist, jedoch keine Aussagen über die Zielsetzung des Wirtschaftens grundsätzlich abgibt.

Schaubild.PNG

(eigene Darstellung in Anlehnung an: http://www.neue-lernwelten.eu/Online/Glossar/OekonomischesPrinzip_c.jpg [Stand: 1.11.2013 18:16 Uhr])


Anwendungen der Wirtschaftlichkeitsrechnung

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung wird zur Hilfe genommen, wenn Unternehmer vor einer Investitionsentscheidung stehen. In den meisten Fällen werden hierzu zwei oder mehrere verschiedene Investitionsmöglichkeiten herangezogen und miteinander verglichen. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Methoden der Wirtschaftlichkeitsrechnung, welche im Folgenden beschrieben und erläutert werden:

Statische Verfahren

Die statischen Verfahren begründen die Vorteilhaftigkeit einer Investition, indem sie die Kostenvergleichsrechnung, Gewinnvergleichsrechnung, Rentabilitätsvergleichsrechnung und die Amortisationsrechnung heranziehen. Hierbei ist besonders anzumerken, dass statische Verfahren keinerlei Zeitverläufe berücksichtigen. Des Weiteren wird lediglich ein Durchschnittswert aller Ein- bzw. Auszahlungen gebildet. Auf Grund dieser Faktoren ist die statische Wirtschaftlichkeitsrechnung nur für kurzfristige Zeiträume anschaulich verwendbar (vgl. Schmeisser et al.(2012): 34-41).


Kritik: Die statischen Investitionsverfahren sind hilfreich, wenn es darum geht in einem kurzen Zeitraum eine Investitionsentscheidung zu treffen. Sie benötigen wenig Informationen und geben dennoch Aufschluss über die Vorteilhaftigkeit einer Investition Demgegenüber steht die Ignoranz der Zeitpunkte von Ein- bzw. Auszahlungen und der kurze Zeitraum, der für eine Investitionsentscheidung berücksichtigt wird.


Dynamische Verfahren

Die dynamischen Verfahren begründen die Vorteilhaftigkeit einer Investition, indem sie die Kapitalwertmethode, Endwertmethode, den internen Zinsfuß und die Annuitätenmethode heranziehen. Anders als bei den statischen Verfahren werden nun die Zeitpunkte von Ein- bzw. Auszahlungen berücksichtigt. Hierbei wird also besonders der Geldwert zu einem bestimmten Zeitpunkt vorausgesetzt. Weiterhin betrachten die dynamischen Verfahren die gesamte Laufzeit mit allen Ein- bzw. Auszahlungen und entwickeln daraus die Vorteilhaftigkeit einer Investition (vgl. Schmeisser et al.(2012): 54-57)

Kritik: Die dynamischen Investitionsverfahren können eine weitaus detailliertere und bessere Vorteilhaftigkeit einer Investition aussagen, jedoch benötigen sie hierfür eine große Menge an Daten und Informationen, auf dessen Basis die Vorteilhaftigkeitsentscheidung getroffen wird.


Betriebliche Praxis

Die Begriffe der Wirtschaftlichkeit, Rentabilität und Produktivität sind unter dem Oberbegriff der betrieblichen Kennzahlen zusammengefasst und dienen insbesondere den Betrieben als Vergleichsmöglichkeit zu anderen Betrieben. Die Produktivität beschreibt das Verhältnis von Input und Output in einem Betrieb. Die Leistungsfähigkeit eines Betriebes wird somit ermittelt, indem die eingesetzten Produktionsfaktoren und hergestellten Güter verglichen werden. Die somit erhaltene Ergiebigkeit wird allerdings nicht als Euro – Betrag wiedergegeben. Dieser Aspekt wird von der Wirtschaftlichkeitsrechnung aufgegriffen. Ertrag und Aufwand werden hierzu in Relation genommen und in Geldeinheiten gemessen wiedergegeben. Hierbei ist zu beachten, dass die Inflationsrate die Wirtschaftlichkeit beeinflussen kann. Die letzte Kennzahl der betrieblichen Größen ist die Rentabilität. Diese drückt die Rendite des Kapitals aus, welches eingesetzt wurde. Der Gewinn wird im Verhältnis zum eingesetzten Kapital gesetzt und gibt abschließend die Rentabilität als Prozentzahl wieder (vgl. Kyrer/Penker (2000): 12-13).

Um in Unternehmen herauszufinden, ob Prozesse wirtschaftlich sind, muss die Wirtschaftlichkeit beurteilt und kontrolliert werden. Hierzu werden sogenannte Umschlagskennzahlen herangezogen, welche Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit geben. Anhand des Kapitalumschlags, der Umschlagshäufigkeit von Forderungen und der Lagerumschlagshäufigkeit kann ermittelt werden, ob ein Prozess innerhalb eines Betriebes wirtschaftlich ist oder nicht.

Literatur

Forker, H. (1960): Das Wirtschaftlichkeitsprinzip und das Rentabilitätsprinzip, 6. Band, Duncker und Humblot Verlag, Berlin

Koubek, N. (2010): Jenseits und Diesseits der Betriebswirtschaftslehre, 1. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden

Kyrer, A., Penker, W. (2000): Volkswirtschaftslehre: Grundzüge der Wirtschaftstheorie und -politk, 6. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München

Lasar, A., Grommas, D., Goldbach, A., Zähle, K. & Diekhaus, B. (2011): Neues kommunales Haushalts- und Rechnungswesen in Niedersachsen, 3. Auflage, SV Saxonia Verlag, Dresden

Müller, S. (2010): Die Wirtschaftlichkeit des Hybridfahrzeuges – Ein Vergleich zum Fahrzeug mit konventionellem Antriebsaggregat, 1. Auflage, GRIN Verlag, Norderstedt

Ney, M. (2006): Wirtschaftlichkeit von Interaktionsplattformen, 1. Auflage, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden

Zündorf, H., Krimphove, D., Schmeisser, W., Hannemann, G. & Toebe, M. (2012): Finanzierung und Investition, Auflage unbekannt, UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz


Internetquellen:


Welt der BWL (2011): Glück, O. Glossar

URL: http://www.welt-der-bwl.de/Wirtschaftlichkeit [Stand: 1.11.2013 16:40 Uhr]

Controlling-Portal (2003): Reimus, E. Internetportal

URL: http://www.controllingportal.de/Fachinfo/Kostenrechnung/Ein-Auszahlung-Einnahme-Ausgabe-Ertrag-Aufwand-Leistung-Kosten.html [Stand: 1.11.2013 16:44 Uhr]

Haushaltssteuerung (2007): Burth, A. & Gnädinger, M. Internetportal

URL: http://www.haushaltssteuerung.de/lexikon-wirtschaftlichkeitsprinzip.html [Stand 1.11.2013 17:04 Uhr]

Real Hotel Controlling (2004): Tillmann Liedtke, Beratungsunternehmen

URL: http://www.rhc.de/umschlagskennzahlen.aspx [Stand: 1.11.2013 17:20]

Neue Lernwelten (2012): Preis, H. Lernplattform

URL: http://www.neue-lernwelten.eu/Online/Glossar/OekonomischesPrinzip_c.jpg [Stand: 1.11.2013 18:16 Uhr]