Zahlungsbedingungen

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Einführung

Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen sind ein grundsätzlicher Bestandteil der Geschäftsbedinungen zwischen Lieferanten und Abnehmer. Diese können Unternehmen, sowie Privatpersonen sein. Die Lieferbedingungen regeln die Rechte und Pflichten zwischen Käufer und Verkäufer. Die Zahlungsbedingungen hingegen zeigen die Zahlungsmodalitäten zwischen beiden Parteien auf und sind Teil des Kaufvertrages. (vgl. Wöhe G. (2000): 575 f.)

Definition

Unter Zahlungsbedingungen (auch Zahlungskonditionen oder Zahlungsmodalitäten, engl. terms of payment) versteht man die Modalitäten, die zwischen zwei Geschäftspartnern (Gläubiger und Schuldner) vereinbart wurden. Diese geben an, auf welche Art und Weise, sowie zu welchem Zeitpunkt und -ort die offenen Verbindlichkeiten beglichen werden. Diese werden üblicherweise in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) (evtl. auch stillschweigend) aufgeführt. Zahlungsbedingungen werden vielfach mit Lieferbedingungen verbunden und haben einen erheblichen Einfluss auf das Kauf- und Zahlungsverhalten des Kunden. (vgl. Witt(1973) S.365)

Für den Kunden können z.B. Gewährung eines Skontosatzes oder eines verlängerten Zahlungsziels als Vorteile angeboten. Diese beiden Möglichkeiten werden häufig kombiniert angeboten.

INCO-Terms

Im Jahre 1936 wurden, durch die Internationale Handelskammer (ICC) mit Sitz in Paris, die sog. Incoterms (International Commercial Terms) veröffentlicht. Seid 1936 wurden diese mehrfach überarbeitet und dem Markt angepasst. Die aktuelle und siebte Fassung der Richtlinien trat am 01.01.2011 in Kraft, die sogenannten "Incoterms® 2010".

Diese regeln die Übernahme der Transport- und Zollkosten, sowie Zahlungstermine, Gerichtsstand und den Gefahrenübergang. Die bekanntesten INCO-Terms lauten: FOB (free on board) und CIF (cost, insurance, freight).(vgl. Jung. (1996): S.620)

Im Folgendem werden die elf Incoterms-Klauseln verkürzt dargestellt.

Klauseln für alle Transportarten

Name Beschreibung
EXW Ex Works/Ab Werk Nach dieser Klausel erfüllt der Verkäufer seine Lieferverpflichtung bereits dann, wenn er die Ware dem Käufer zur vereinbarten Zeit beim Verkäufer oder an einem anderen benannten Ort (z.B. ab Werk, Fabrik, Lager etc.) zur Abholung bereitstellt. Diese Klausel stellt für den Verkäufer somit die günstigste Klausel dar.
FCA Free Carrier / Frei Frachtführer Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware auf eigene Rechnung und ei­genes Risiko bis zu einem vereinbarten Ort liefern zu lassen und sie dort dem Frachtführer zu übergeben. Zudem hat er ggf. die Ausfuhrgenehmigung und/oder andere behördliche Genehmigungen zu beschaffen und alle Zollformalitäten zu erledigen
CPT Carriage Paid To / Frachtfrei Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Verkäufer benannten Person an einem vereinbarten Ort zu liefern und einen Beförderungsvertrag bis zum vertraglich vereinbarten Bestimmungsort abzuschließen. Zu dem hat er ggf. die Ausfuhrgenehmigung und/oder andere behördliche Genehmigungen zu beschaffen und alle Zollformalitäten zu erledigen.
CIP Carriage And Insurance Paid To / Frachtfrei Versichert Dieser Klausel entspricht der Klausel CPT. Zusätzlich ist der Verkäufer dazu verpflichtet, eine Transportversicherung für die Beförderung von der Übergabe an den ersten Frachtfüh­rer bis zum Bestimmungsort abzuschließen und deren Kosten zu tragen.
DAT Delivered At Terminal / Geliefert Terminal Nach dieser Klausel ist der Verkäufer zur Lieferung der Ware an ein bestimmtes Terminal verpflichtet. Seine Lieferpflicht hat er erfüllt, sobald die Ware an dem benannten Terminal von dem ankommenden Beförderungsmittel entladen und dem Käufer zur Abholung zur Verfügung gestellt wurde. Der Begriff Terminal im Sinne dieser Vorschrift ist weit zu fassen, hierbei kann es sich um einen Hafenkai, eine Lagerhalle, ein Containerdepot oder ein Stra­ßen-, Schienen- oder Luftfrachtterminal handeln.
DAP Delivered At Place / Geliefert Benannter Ort Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware dem Käufer an einem verein­barten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf dem ankommenden Beförderungsmittel entla­debereit zur Verfügung zu stellen. Anders als im Falle der Klausel DAT hat der Verkäufer seine Lieferpflicht somit nicht erst dann erfüllt, wenn er die Ware selbst entladen hat.
DDP Delivered Duty Paid / Geliefert Verzollt Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die zur Einfuhr bereits freigemachte Wa­re dem Käufer auf dem ankommenden Beförderungsmittel entladebereit am vereinbarten Ort zur Verfügung zu stellen.

Klauseln für den See- und Binnenschiffstransport

Name Beschreibung
FAS Free Alongside Ship / Frei Längsseite Schiff Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware auf eigene Rechnung bis zur Längsseite des Transportschiffes im vereinbarten Verschiffungshafen zu befördern. Dem­entsprechend hat er ggf. auch die Ausfuhrgenehmigung und/oder andere behördliche Ge­nehmigungen zu Beschaffen und alle Zollformalitäten zu erledigen.
FOB Free On Board / Frei An Bord Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware an Bord des vom Käufer be­nannten Schiffes im benannten Verschiffungshafen zu liefern. Zudem hat er ggf. die Aus­fuhrgenehmigung und/oder andere behördliche Genehmigungen zu beschaffen und alle Zollformalitäten zu erledigen. Der Verkäufer ist jedoch nicht zur Erledigung der Einfuhrfor­malitäten sowie zur Zahlung der Einfuhrabgaben verpflichtet.
CFR Cost And Freight / Kosten Und Fracht Nach dieser Klausel ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware auf eigene Rechnung bis zu ei­nem vereinbarten Lieferort zu liefern und darüber hinaus einen Vertrag über die Beförde­rung der Ware bis zum einem Bestimmungshafen abzuschließen. Zudem hat er ggf. die Ausfuhrgenehmigung und/oder andere behördliche Genehmigungen zu beschaffen und alle Zollformalitäten zu erledigen.
CIF Cost, Insurance And Freight / Kosten, Versicherung, Fracht Diese Klausel entspricht CFR. Zusätzlich hat der Verkäufer auf eigene Rechnung eine Transportversicherung abzuschließen

(vgl.: http://www.ihk-berlin.de/linkableblob/bihk24/international/downloads/815474/.28./data/Incoterms_2010-data.pdf [Stand: 28.12.2013])

Beispiele für Zahlungsbedingungen:

  • 14 Tage netto ohne Abzug
  • Sofort fällig nach Rechnungseingang
  • 14 Tage abzügl. 2% Skonto, 30 Tage netto ohne Abzug
- sollte der Kunde innerhalb von 14 Tagen die offene Forderung begleichen, so kann er 2% Skonto abziehen, andernfalls ist die Rechnung nach 30 Tagen ohne Abzug fällig)
  • Zahlbar bis zum 14. des Folgemonats

Kritik

Durch Gewährung bestimmter Zahlungsfristen können Vor- und Nachteile für den Kunden bzw. Lieferanten auftreten.

Kunde Lieferant
Vorteile • längere Zeit Ware und Rechnung zu prüfen

• bei verlängerter Zahlungsfrist bleibt der Kunde liquide

• bei Skontoabzug wird die Verbindlichkeit verringert

• durch Wahrung der Skontofrist erhält der Lieferant seine Forderungen früher

• Zahlungseingänge sind planbar

Nachteile • Abhängigkeit vom Lieferanten durch Inanspruchnahme der Zahlungsziele

• Bonität sinkt durch häufige Ausnutzung des Zahlungszieles
• Ware muss vorfinanziert werden

• Risiko des Forderungsausfalls steigt

(vgl.: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21235/zahlungsbedingungen [Stand: 25.09.2013])


Sofern der Lieferant in Vorleistung geht (z.B. Lieferung auf Rechnung), kann er vertraglich Festhalten, dass dieser die Bonität des Vertragspartners bei einem Auskunftsunternehmen, wie z.B. Schufa, creditreform etc. einfordert, um Gewähr zu leisten, dass keine Zahlungsausfälle eintreten.

Sollte der Schuldner in Zahlungsverzug kommen, so tritt automatisch das Mahnverfahren ein. Mit dem 2002 reformiertem BGB soll die Zahlungsmoral verbessert werden und Unternehmen sowie Handwerk zu schnellerer Rechnungssumme verhelfen.

"Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet; dies gilt gegenüber einem Schuldner, der Verbraucher ist, nur, wenn auf diese Folgen in der Rechnung oder Zahlungsaufstellung besonders hingewiesen worden ist. Wenn der Zeitpunkt des Zugangs der Rechnung oder Zahlungsaufstellung unsicher ist, kommt der Schuldner, der nicht Verbraucher ist, spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Empfang der Gegenleistung in Verzug." (§286(3),BGB 2009)

Literatur

Wöhe, G. Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre 20. Auflage. Verlag Vahlen, München 2000

Dr. Jung, H. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 2.Auflage. Verlag R.Oldenbourg Verlag München Wien, München 1996

Witt, J. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre für Studium und Praxis 2.Auflage. Verlag für Unternehmensführung Dr. Max Gehlen, Baden-Baden 1973

Bürgerliches Gesetzbuch 63.Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2009

Springer Gabler: Gabler Wirtschaftslexikon. URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/zahlungsbedingungen.html [Stand: 25.09.2013]

IHK-Berlin(2012) URL: http://www.ihk-berlin.de/linkableblob/bihk24/international/downloads/815474/.28./data/Incoterms_2010-data.pdf [Stand: 28.12.2013])

Bundeszentrale für politische Bildung(2013): Das Lexikon der Wirtschaft. URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21235/zahlungsbedingungen [Stand: 25.09.2013]